Schweizer Forscher haben festgestellt, dass Kleinkinder gar nichts für ihr ausgeprägtes Süßigkeiten-Besitzverhalten können, da sich der Gerechtigkeitssinn erst im Alter von 7-8 Jahren voll entwickelt. Soll heißen, wenn die kleine Michelle ihrem Bruder eine scheuert und mit martialischem Gebrüll die familiären Trommelfelle zum Platzen bringt, nur weil er sich eine Schokolinse mopsen wollte, dann kann sie nichts dafür, sie ist ein Opfer der Evolution.
Erstaunlicherweise erlebt man recht häufig (zumindest bei wohlerzogenen Knirpsen), dass kleine Kinder ihre Habseligkeiten friedvoll teilen. Liegt das dann am schlichtenden Einfluss der Eltern?
Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit.
In den ersten Jahren teilte auch ich immer brav mit meinem Bruder, und das trotz meiner stark ausgeprägten Süßigkeitenliebe. Was allerdings tatsächlich an meinen Eltern lag, ich war noch zu dumm mein Hab und Gut angemessen zu verteidigen. Und auf den Boden schmeißen und kreischend mit den Fäusten trommeln kam bei den Erwachsenen nie gut an.
Ab meinem sechsten Lebensjahr setzte ich dann voll auf die Mitleidsschiene. Nach außen hin machte ich auf gerechtes, teilungswütiges Mädchen. Aber wenn sich dann tatsächlich jemand an meinen Bonbons vergriff, implizierte ich ihm mit tränenglitzerndem Blick und brüchiger Stimme so ein schlechtes Gewissen, dass er diese Gemeinheit mir gegenüber meist nicht wiederholte.
Es gab natürlich einige dreiste Kinder, denen meine Gefühlslage völlig wurscht war, aber zumindest bei meinem Bruder hat diese Nummer voll gezogen. Und nur der hätte mich wirkungsvoll an meine Eltern verpetzen können.